1. August 2023 | Monatsimpuls

Das Gute nicht vergessen 08/23

1. August 2023

„Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat…“  Psalm 103,4

Wenn ich mir im Juni meine Kletterrose anschaue, bin ich erfreut und erstaunt, wie viele Blüten aus einem Wurzelstock aufblühen. Inzwischen ist die Blütenbracht vorbei. Der Monat August ist für mich  ein Anlass zurück zu schauen. Mehr als die Hälfte des Jahres  ist schon vergangen. Von meiner Mutter habe ich noch den Satz im Ohr, dass sie im August oft sagte: „Man spürt schon den Herbst: Die Tage werden kürzer.“ Da ich gerne im Garten arbeite, fallen mir  Vergleiche zu meinem eigenen Leben ein. Aufbruch  und Pflanzen im Frühjahr. Der Sommer ist ausgefüllt mit Pflegen und Giesen. Im Herbst ist die Zeit der Ernte. Außerdem muss der Garten für den Winter vorbereitet werden.

In diesem Jahr ist manches nicht so gewachsen und geworden, wie ich es mir vorgestellt und ge­wünscht hatte.  Da waren Schädlinge, die bei einigen Blumen die zarten Blätter abgefressen haben. Sie haben sich davon nicht erholt und nicht geblüht. Andere Pflanzen wurden von Mehltau befallen. Infolge des wenigen Regens im Vor­sommer ist einiges vertrocknet. So fällt die Ernte nicht so reichlich aus, wie ich es mir erhofft hatte.

Beim Zurückdenken über die letzten Monate habe ich Parallelen zu meinem Leben be­obachtet.  Es läuft einfach nicht so, wie es sein könnte. Manches ist anders gewor­den, ohne dass ich sagen könnte, woran das liegt.  Wertvolle Kontakte haben während der Zeit der Pandemie gelit­ten und brachge­le­gen. Sie wieder aufzubauen, gestaltet sich zäh. Manches, was früher leicht von der Hand ging, braucht mehr Zeit oder ist nicht mehr möglich.  Dabei habe ich gemerkt, dass nicht nur die körper­liche Kraft nachlässt. Es fehlt mir auch manchmal an Mut und Zuversicht.  Auch einige negative Gedanken machten sich breit.

Durch eine Bibelarbeit über Ps. 103 bekam ich neue Zuversicht.  König David hält in diesem Psalm Rückschau. Auch er hat in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt. In den ersten  Versen lobt und dankt er Gott. Er erinnert seine Seele daran, nicht zu vergessen, was er an guten Dingen von Gott empfangen hat.  In V. 10 heißt es: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“   Wie oft haben mein Mann und ich das auch in unserem Leben erfahren!

Seit wir im Ruhe­stand sind haben wir uns Zeit genommen, Freunde und Weggefährten vergangener Jahre zu treffen.  Gerade vor wenigen Tagen waren wir bei Freunden eingeladen. Dort trafen wir  eine Frau, die wir 40 Jahre nicht gesehen hatten. Kennengelernt haben wir sie als junges Mädchen bei einer Ost-West-Begegnung in der DDR. Sie erzählte aus ihrem Leben: Ich bin konfirmiert worden und konnte trotz­dem Abitur machen, hatte aber keine Beziehung zur Kirche und zum Glau­ben. In einem Gottesdienst mit Theo Lehmann traf ich die Entscheidung, mein Leben mit Gott zu führen.  Das hatte einen starken Einfluss auf mein weiteres Leben.  Eigentlich wollte ich studieren. Aber der Weg führte in eine Ausbil­dung zur Arbeit mit Behin­derten.  Schließlich trat ich einer Kommunität bei und wurde Diakonisse. Die Zeit der Wende war für uns eine schwere Zeit. Viele Verletzungen sind in dieser Zeit entstanden. Unsere Einrichtung wurde schließlich geschlossen und wir wussten nicht, wie es weiter­gehen sollte. Lange haben wir als Schwestern­schaft gebetet und Gott gefragt, wie es wer-den sollte. Schließlich bekamen wir in der Nähe von Hannover in einer diakonischen Einrichtung eine neue Aufgabe und Möglichkeiten Gottes Liebe in Wort und Tat weiterzugeben.

Ihre Worte am Schluss haben mich sehr beeindruckt. Sie sagte: „Manche Entscheidungen waren nicht leicht. Aber wenn sie getroffen waren, habe ich eine große Freude in meinem Herzen gespürt. Ich kann meinem Herrn nur immer wieder Danke sagen für all das Gute, das ich mit ihm erlebt habe.“

Seit einem halben Jahr ist sie im Ruhestand, lebt wieder in ihrer alten Heimat und ist bereit für neue Aufgaben. Dies Zeugnis hat mich froh gemacht.  Es hat mich daran erinnert, dass Gott auch mir viel Gutes in meinem Leben geschenkt hat. Dafür will ich ihm danken und loben. Es hat mich auch ermutigt Gott  weiter zu vertrauen, weil er heute und morgen der­selbe ist und es auch in Zukunft bleiben wird.  Es lohnt sich auf ihn zu vertrauen.

Ruth Eibach