Nikodemus und das Alter

Gedanken zu Johannes 3 von Pastor Jörg Hörster

„Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!“ Vielleicht kennen sie dieses Sprichwort auch. Ich hab es von meiner Mutter. Und die kokettiert auch schon mal mit ihrem Alter und dass auch mit 73 noch dazu lernen kann. Als wir uns über diese Schulung ausgetauscht haben, da ging es auch um den Gedanken: Lebenslang, glauben lernen. Egal also in welchem Lebensabschnitt wir uns befinden – die Sache mit der Nachfolge und dem Glauben ist nie zu Ende. Wir können und dürfen immer noch dazu lernen. Es wäre ja schade, wenn sich das Leben irgendwann einmal so festfährt, dass es keinen Platz mehr für Veränderungen gäbe. Andererseits neigen wir auch dazu die Dinge gerne festzuhalten.

Einer, der auch dazulernen wollte wird uns im Johannesevangelium, Kapitel 3 vorgestellt: Nikodemus. Wir können davon ausgehen, dass Nikodemus kein junger Mann war. Er hatte schon viel gesehen und gehört und doch möchte er wissen, was es mit diesem Jesus auf sich hat. Drei Gedanken dazu:

1. Nikodemus bleibt Neugierig

Kinder sind ungemein neugierig. Sie wollen die Welt entdecken und suchen nach Antworten auf ihre Fragen. Die Neugier schwächt sich im Laufe des Lebens in der Regel etwas ab. Wer sich aber die Neugier völlig abgewöhnt, muss sich nicht wundern, dass das Leben langweilig wird. Wenn ich keine Fragen mehr stelle, nichts Neues erleben möchte und kennenlernen möchte, dann bleibe ich nur noch bei dem, was mir vertraut ist.

Nikodemus ist neugierig, wer dieser Jesus ist. Er möchte selber wissen, was er zu sagen hatte. Darum macht er sich auf den Weg um seine Neugier zu befriedigen. Er möchte zudem auch noch eine Antwort auf eine geistliche Frage finden. An dem, was Jesus getan hatte, sah er, dass hier Gott am Werk war. „Wir wissen, du bist ein Lehrer von Gott, denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust – es sei denn Gott mit ihm.“ Jesus tut etwas Neues und sagt etwas Neues und Nikodemus möchte wissen was dahintersteckt.

Bleiben sie neugierig – auch in Bezug auf den Glauben. Da gibt es noch viel zu entdecken und Gott ist manchmal auch überraschend neu und anders.

2. Das haben wir schon immer so gemacht!

Nikodemus hätte sich auch mit dem Urteil seiner Kollegen zufrieden geben können: Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen? Sie hatten sich ein Urteil über Jesus gebildet. Und dieses Urteil hieß: der Mann macht nur Ärger, wie schon viele andere zuvor Ärger gemacht haben. Wir haben eine Vorstellung von dem Messias, so wie er auszusehen hat, was er tut und was er sagt. Wir wissen welche Grundsätze er haben muss und wie er von Gott zu reden hat.

Nikodemus gibt sich aber nicht mit den vorgefertigten Meinungen und Urteilen zufrieden. Er geht selber hin zu dem Mann, der behauptet Gottes Sohn zu sein. Er will sich selber eine Meinung bilden und aus erster Hand hören, was der Mann zu sagen hat. Und er wird von Jesus überrascht. Nicht Nikodemus lehrt Jesus etwas über den Glauben. Sondern Jesus lehrt den Lehrer Nikodemus. Er spricht von geistlichen Dingen und Nikodemus muss bekennen, dass er ihn nicht versteht. „Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht?“

Wenn wir Jesus begegnen, dann werde wir automatisch zu lernenden – oder wir werden ihm nicht begegnen. Jesus hat die abgewiesen, die sich ihre Urteile schon gebildet hatten. Mit ihnen lag er im Streit. Aber niemals hat er die Fragenden, die Unsicheren, die Unwissenden abgewiesen. Darum gilt noch immer: Jesus lehrt uns und er kann uns dabei noch überraschen.

3. Noch einmal geboren werden

Nikodemus war neugierig und verließ sich nicht auf das Urteil von anderen. Nun sitzt er bei Jesus uns hört von ihm, dass er noch einmal geboren werden muss. Es muss etwas ganz neu werden, damit Menschen in Beziehung zum Vater im Himmel kommen. Für Nikodemus ist das ein sehr Gedanke, denn er gehörte zum Volk Israel.

Jesus macht ihm deutlich: das Tun der Menschen wird sie nicht in den Himmel bringen, auch nicht die bloße Abstammung. Damit ein Mensch gerettet wird muss etwas fundamental Neues passieren – und das kann eben nur von oben, von Gott kommen. Wenn ein Mensch geboren wird, kann er aktiv nichts dazu tun. Der Säugling wird von der Mutter auf die Welt gebracht – seine eigene Kraft reicht dazu nicht. Es kann nur an ihm geschehen. Nicht anders sagt es dieses Bild einer Geburt von neuem. Gott muss noch einmal schöpferisch an uns handeln und neu werden lassen, was wir von uns aus nicht tun können.

Dieser großartige Gedanke hat Menschen zu allen Zeiten entweder gepackt oder geärgert. Für die einen war es eine Nachricht der Befreiung, für die Anderen eine Zumutung. Doch bist heute verkünden wir ihnen genau das.

Umfragen haben gezeigt, dass Menschen um die 60 noch einmal neu offen sind für den Glauben. Sie wollen wissen, ob das denn auch stimmt, was sie vielleicht in jungen Jahren gehört haben. Sie wollen Antworten, die über dieses Leben hinausgehen. Die gute Nachricht aus dieser Geschichte ist doch: Niemand ist zu alt um Christus zu finden. Auch wenn Menschen alt geworden sind, könne sie von neuem geboren werden. Das ist eine wirklich gute Nachricht. Wie viel im Leben kann man nicht mehr zurück-drehen. Weil aber nicht zählt was wir alles schon getan haben können Menschen jeden Alters von neuem geboren werden.

© Pastor Jörg Hörster