Wenn ich mir dieses Bild anschaue, denke ich zurück an einen Sonntag im April. Während ich dabei bin, die Tageslese aus Ps. 43,3 zu lesen, fällt Licht auf meine Hände und auf mein Gesicht. Schatten fallen ins Zimmer. Mein Mann ist zu dieser Zeit auf dem Rückweg von Rumänien. Er hat dort ukrainische Flüchtlinge an der Grenze zu Moldawien abgeholt. Die Gedanken sind bei den vielen entwurzelten Menschen, denen zu der Zeit so viel Unrecht geschieht, weil sie ihre Heimat verlassen müssen und in eine ungewisse Zukunft gehen. Was wird ihnen Trost und Hilfe geben?
In unserer Welt ist so viel Dunkelheit.
Ich lese, dass der Beter des 43. Psalms sich auch bedroht fühlt. Er bittet Gott um Hilfe mit folgenden Worten: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung!“ Auch wir sind unterwegs auf dem Weg zu Gott, zum Vaterhaus. Wir brauchen Licht für unsern Lebensweg, damit wir das Ziel, einmal bei Gott zu sein, erreichen. Der Lebensweg verläuft für jeden von uns unterschiedlich. Manchmal fühlen wir uns wie auf einem schönen, sonnigen Höhenweg im Spätsommer. Doch plötzlich ist da Nebel. Wir verlieren die Orientierung, wissen nicht mehr weiter und sehen nicht mehr wo es lang geht. Mir hängen die Worte eines befreundeten Ehepaars nach, mit dem ich vor kurzem sprach: „Wir beten und beten und haben trotzdem das Gefühl, dass es für uns keine Lösung, keinen Ausweg gibt!“ – so beschrieben sie ihre momentane Gefühlslage. Weil die Ehe eines ihrer Kinder zerbrochen ist, haben sie die Fürsorge für drei Enkel übernommen. Sie wissen aber nicht, wie lange sie die Kraft dazu haben und das durchhalten können. Andererseits haben sie in der zurückliegenden Zeit auch immer wieder erfahren, dass Gott ihnen in schwierigsten Lagen durchgeholfen hat.
Es gibt so vieles, was uns belastet und oft auch ratlos macht: Eine schwere Krankheit; der Tod eines lieben Menschen; ein ungeplanter, aber notwendiger Umzug im Alter; Angst vor Armut im Alter und die bange Frage: Wer sorgt einmal für mich, wenn ich ohne Hilfe mein Leben nicht mehr bewältigen kann. Ängste, Sorgen, die manch einem den Schlaf rauben. Was mir bisher in schweren Zeiten geholfen hat und mir immer wieder neue Kraft und Zuversicht gibt, ist die Tatsache: Ich kann meine Fragen, meine Ängste und Sorgen jeden Tag zu Gott bringen. Ich kann das, was mich bewegt, vor ihm ausbreiten und mit ihm besprechen. Es hilft mir, ehrlich vor mir selbst und Gott zu sein und den Weg, den er mir zeigt, auch zu gehen. Oft spüre ich auch wie unruhig mein Herz ist und wie unsicher ich bin. Da hat mir schon oft geholfen mit Menschen, denen ich vertrauen kann, zu sprechen und von ihnen Rat und Hilfe anzunehmen.
So wie auf dem Bild das Licht aufleuchtet, so erlebe ich, wie Gott mir den Weg zeigt. Er gab mir Kraft in schweren Zeiten nicht zu verzweifeln. Mut macht mir auch ein Lied, das mir seit einiger Zeit nicht mehr aus den Gedanken geht:
1. Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf, strahlt inmitten der Finsternis für uns auf. Jesus, du Licht der Welt sende uns dein Licht! Mach uns frei durch die Wahrheit, die jetzt anbricht! Sei mein Licht, sei mein Licht! Jesus dein Licht füll dies Land mit des Vaters Ehre! Komm Heil`ger Geist, setz die Herzen in Brand. Fließ Gnadenstrom, überflute dies Land mit Liebe, sende dein Wort, Herr dein Licht strahle auf!
2. Herr voll Ehrfurcht komm ich zu deinem Thron aus dem Dunkel ins Licht des Gottessohns. Durch dein Blut kann ich nun vor dir stehen. Prüf mich, Herr, lass mein Dunkel vergehen, sei mein Licht, sei mein Licht!
3. Schaun wir, König zu deinem Glanze auf, dann strahlt dein Bild auf unserem Antlitz auf. Du hast Gnade um Gnade gegeben, dich widerspiegelnd erzähl´ unser Leben von deinem Licht, von deinem Licht!
Ich wünsche Ihnen, dass Gottes Licht ihren Weg auch immer wieder hell macht.
Ruth Eibach (Mitglied im Arbeitskreis Ältere Generationen)