Der November 2020 beginnt mit dem neuen Lockdown. Nicht so streng wie im Frühjahr 2020, aber doch mit vielen Maßnahmen und Einschränkungen. Und dieser Lockdown bewegt Menschen auf ganz unterschiedliche Weise.
Im Zuge der letzten Woche kamen mir folgende Verse aus Psalm 91 in den Sinn: 1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, 2 der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
Viele kenne die Verse des 91. Psalms. Der Psalm ist keinem bestimmtem Dichter zuzuschreiben und auch sonst wissen wir wenig über die Entstehung. Aber es ist einer der tröstlicheren Psalmen und hat über viele Jahrhunderte hinweg Menschen in Krisenzeiten begleitet. Die Corona Zahlen steigen, der nächste Lockdown steht vor der Tür und fast könnte man meinen es wie „eine Seuche, die am Mittag Verderben bringt“ (Psalm 91,6). Charles Haddon Spurgeon schreibt in seinem Kommentar zu Psalm 91:
„In der ganzen heiligen Liedersammlung gibt es keinen tröstlicheren Psalm als diesen. Der Ton ist durchweg erhaben. Der Glaube schöpft hier aus dem Vollen und äußert sich in besonders edler Weise. Ein deutscher Arzt pflegte diesen Psalm als das beste Schutzmittel in Cholerazeiten zu empfehlen. Er ist auch in der Tat eine himmlische Arzenei gegen Pest und Plagen. Wer in dem Geiste dieses Psalmes einhergehen kann, darf furchtlos sein, auch selbst wenn unsre Städte wieder wie einst London oder wie Wien zu Abraham a. St. Claras Zeiten Pesthöhlen werden und die Friedhöfe die Leichen nicht fassen sollten.“
Spurgeon macht hier auf zwei Dinge aufmerksam – da ist zum einen die Realität oder Wirklichkeit auf Erden und zum anderen die geistliche Wirklichkeit.
Die Realität heute
Und so ist es auch heute: ein Virus hält die Welt in Atem und Menschen gehen ganz unterschiedlich damit um. Die einen versinken in Angst, andere sind eher gelähmt, andere voller Tatendrang, andere verstricken sich in Verschwörungstheorien und dazwischen gibt es noch eine Menge Spielraum. Und wer hätte Anfang 2020 gedacht, dass die Völker in Europa und auf der Welt so eine Situation erleben und zwischen gemeinsam und einsam hin und her wanken.
Manche Lehre in diesen Tagen
Covid-19 lehrt uns ganz verschiedene Dinge. Da ist zum einen die Erkenntnis, dass wir Menschen nicht alles in der Hand haben. Das wussten wir unbewusst schon immer, aber haben es im Streben nach mehr und schneller gut verdrängt. Jetzt merken wir jeden Tag, dass die Dinge ungewiss sind. Dass wir die Zukunft nicht einschätzen können oder gar das Virus begreifen. Es scheint fast wie ein Wandern im Nebel. Es geht immer nur wenige Schritte voran und das Ende ist nicht in Sicht. Der Sommer war ein wenig trügerisch, fast schon konnte man glauben, dass es so weitergeht und nun wieder neue Wege im Nebel.
Zum anderen entdecken wir: der Tod ist gegenwärtig. Und so können wir mit dem Psalmist sagen: Lehre uns zu bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Psalm 90,12) Der Psalmist geht davon aus, dass wir aus der Tatsache, dass wir sterben müssen, etwas lernen können. Und der Lehrer ist Gott, der Schöpfer, der Himmel und Erde gemacht hat und sie in seinen Händen hält. Aber lernen wir wirklich daraus? Wir sollen nicht Angst und Schrecken lernen, denn das macht nicht klug, sondern lernen auf Jesus zu schauen und seiner Gesinnung zu folgen.
Ein dritter Aspekt beschäftigt sich mit dem alltäglichen Fokus. Für viele sind die Maßnahmen und alles rund um den Virus der Fokus allen Denkens, Redens und Handelns geworden. Die Tatsache unter dem Schirm des Höchsten zu sitzen und dort Zuflucht zu suchen, ist aus dem Blick geraten. Aber genau dies ist es was wir neu in den Blick nehmen sollen.
Die andere Wirklichkeit
Auf Gott hoffen. Und dies scheint es momentan fast zu wenig zu geben: Hoffnung. Aber was bedeutet dies für den Alltag. Hoffnung heißt, auf etwas zu warten, was noch nicht eingetroffen ist, aber versprochen worden ist. Und so schreibt der Psalmist: Der Gott, auf den er hofft, ist seine Zuversicht und Burg. Hier kann ich mich bergen, meine Sorgen abladen, im Gespräch mit Gott meinem Herzen Luft machen. Sie fragen sich, wie das gehen soll: Weil Christus im Christen lebt. Das ist die Hoffnung (Kolosser 1,27). Und weil sich dann der Blick – trotz des momentanen Nebels – auf das Ende hin ausrichtet. Die Hoffnung ist, dass Christus wiederkommt und sein Reich baut. Dies ist nicht eine Vertröstung, sondern ein Hoffnungsbote. Und diese Hoffnung hat Menschen schon immer durch Krisen getragen. Ich darf unter dem Schirm Gottes bleiben, mich nach ihm ausrichten. Dies verhindert nicht, dass die Krise oder ihre Auswirkungen mich treffen, aber ich darf geborgen sein in Christus. Das Herz wird festgehalten!
Aus diesem Grund gibt es keine hoffnungslosen Momente mehr. Und so darf ich lernen, dass wenn diese Krise noch so viel Spannungen bringt, Fragen aufwirft, Sorgen vergrößert, und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit überhand zu nehmen scheint, am Kreuz wurde die Hoffnungslosigkeit gekreuzigt und Hoffnung wurde erweckt. Er ist vollbracht – sprach Jesus am Kreuz! Und so darf ich inmitten der Krise und mit bangem Herzen auf Gott hoffen und diese Hoffnung aussprechen und in mein Leben holen. Und dann zu Hoffnungsboten für meine Mitmenschen werden.
Daniela Knauz
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und beten Sie den 91. Psalm
1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, 2 der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. 3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. 4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, 5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt, 6 vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. 7 Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen. 8 Ja, du wirst es mit eigenen Augen sehen und schauen, wie den Frevlern vergolten wird. 9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. 10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. 11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, 12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 13 Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten. 14 »Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. 15 Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen. 16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.«
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