1. November 2023 | Allgemein Monatsimpuls

Vergiss nicht, die Tage zu zählen 11/23

1. November 2023

Der November hat einen besonderen Charakter, meist düstere Tage, Ewigkeitssonntag und Totensonntag. Mehr als sonst stellt sich die Frage, was bleibt und was vergeht? An wie vielen Beerdigungen haben Sie in Ihrem Leben teilgenommen? Begleitet man Mose bei den Ereignissen vom Auszug aus Ägypten bis zur Ankunft im verheißenen Land, dann sollte man mit ihm auch zu all den Gräbern gehen, an denen er gestanden ist. Es waren Familienangehörige, Freunde, enge Mitarbeiter und viele Wegbegleiter. Die Umstände ihres Todes waren nicht selten tragischer Natur. Wie viele Hoffnungen sind da zerbrochen, wieviel Schmerz und Tränen gab es. Wieviel Leben endete mitten im Leben. Mose hat an über 50.000 Trauerfeiern teilgenommen und weiß, wovon er im Psalm 90 redet, wenn er betet: Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage wir zählen, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen!

Jede Generation neu neigt offensichtlich dazu, ihre Tage nicht zu zählen und die Zeit nicht auszukaufen. Sie vergibt die Chance weise zu werden. Mose hatte ein Volk vor Augen, das nur für den Augenblick lebte, sehnsüchtig zurück und murrend nach vorne schaute. Er erlebte eine Generation, die das Zuhause sein bei Gott aus dem Blick verloren hat. Geradezu kopfschüttelnd sagt er: Wer begreift denn, welche Ehrfurcht Gott gebührt? Wer nutzt die kurze Zeit seines Lebens dafür klug zu werden und sein Leben vernünftig und im Blick auf den Herrn aller Herren zu gestalten? „Kein Seemann bittet Gott, er soll ihn lehren, dass die Kompassnadel nach Norden zeigt. Kein Mensch bittet nachts Gott, er soll ihm Gewissheit geben, dass in einigen Stunden die Sonne wieder aufgeht. Der Morgen folgt auf die Nacht, seitdem die Welt geschaffen ist. Darum ist es unverständlich und seltsam, dass wir in der allerwichtigsten Angelegenheit so handeln, als gibt es die Ewigkeit bei Gott nicht.“ (Charles Haddon Spurgeon)

Psalm 90 ist eine drängende Einladung die entscheidenden Fragen unseres Lebens nicht aufzuschieben, erst recht nicht für den letzten Lebensabschnitt. Es soll nicht am Ende stehen: gut, dass er oder sie endlich geht. Wir sind berufen Segen zu hinterlassen, so dass am Ende andere sagen: Danke HERR, dass Du mich durch diesen Menschen gesegnet hast, dass er mir Wegweiser zu Jesus Christus war, Vorbild im Glauben und jemand, der nach vorne auf das Ziel schaute.

Jedenfalls haben diejenigen, die entsprechend diesen Worten ihre Lebenstage bedacht haben, Weisheiten hinterlassen, die sogar 200 Jahren nach ihrem Tod noch Weisheit und Segen vermitteln. Der Liederdichter Matthias Claudius, den viele von seinem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ kennen, ließ für seine Beerdigung sagen: „Wenn ich sterbe und es findet jemand meinen Schädel, so soll ihm mein Schädel Folgendes predigen: ich habe keine Augen, dennoch schaue ich IHN, meinen Gott. Ich habe keine Lippen, dennoch küsse ich IHN, ich habe keine Zunge, dennoch lobsinge ich IHM mit euch allen, die ihr seinen Namen anruft. Ich bin ein harter Schädel, dennoch bin ich ganz erweicht und zerschmolzen in Seiner Liebe. Ich liege hier draußen auf dem Friedhof, dennoch bin ich drinnen bei IHM in seiner Wohnung, alles Leiden ist vergessen. Das hat uns SEINE große Liebe getan, da er für uns sein Kreuz trug und hinausging nach Golgatha.“

Ich wünsche Ihnen einen November, in dem Sie den Rat des Mose aufnehmen und ihre Lebenstage bedenken. Ein  Herz voll Weisheit hinterlässt für Generationen ein reiches Erbe. Wäre es für Sie nur ein frommer Satz oder kommt es aus tiefstem Herzen, wenn Sie sagen: Das Schönste kommt noch, darauf stelle ich mein Leben und mein Handeln ein.

Friedrich Zahn (Mitglied im Arbeitskreis Ältere Generationen)