1. Oktober 2023 | Monatsimpuls

Viel oder alles 10/23

1. Oktober 2023

Auf unserer Gemeindefreizeit hatte ich meine persönliche Erfahrung mit dem Wort Gottes. In der Predigt wurde von der großen Sünderin gesprochen. Sie hatte sich zu dem Essen, zu dem Jesus bei einem Pharisäer geladen war, eingeschlichen und überhäufte Jesus mit ihrer Liebe.

Sie benetzte Jesus die Füße mit ihren Tränen und trocknete sie mit ihrem Haar. Ja, sie küsste Jesus die Füße. Wusste Jesus, wer sie war?

(Wir können das nachlesen in Lukas 7,36-50)

Ja, sie war eine Sünderin, die über ihre Schuld weinte, und Jesus war bereit, ihr zu vergeben. Das ärgerte aber den Gastgeber und Jesus merkte das. Jesus geht auf den Gastgeber zu und sagt: „Du, ich muss dir etwas sagen“. Nun kam es zu dem Gleichnis: Jesus erzählt ihm von zwei Schuldnern, die unterschiedlich viel Schulden hatten, der eine viel und der andere wenig. Aber alle ihre Schulden wurden ihnen erlassen. Die Frage Jesus dann an den Pharisäer:  „Wer liebt den Schuldherren mehr, was meinst du?“ Seine Antwort: „Der, dem viel erlassen wurde.“ „Richtig, denn, wem viel vergeben ist, der liebt viel“, sagt Jesus.

Da haben wir das Wort Jesu, das mich schon lange irritiert. Ich komme aus einem gläubigen Elternhaus und bin meinen Eltern von Herzen dankbar, dass sie mich mit Gottes Wort in Verbindung brachten; so konnte ich früh mein Leben an Jesus festmachen. Ich wusste: ich brauche Jesus, ja und ich wusste auch um meine Schuld – aber, davon bin ich überzeugt, viel war das nicht. Geht es dir vielleicht manchmal auch so? Bist du dann auch traurig,  dass du nicht so liebst, wie du es dir selbst wünschst? Vielleicht auch nicht so, wie du meinst, dass Jesus es sich von dir wünscht?

Dann kommt jetzt mein: Aha – Erlebnis auf der Freizeit. Plötzlich wurden mir zwei Punkte deutlich: 1. Jesus kennt nicht den Umkehrschluss, der bei uns gleich parat ist:  Wem dann wenig vergeben ist, der liebt auch wenig. 2. Jesus hat der Sünderin alles vergeben – und mir auch!

Ich musste an das Lied denken, das wir früher immer gern gesungen haben:

Alles hat er mir erlassen, alles, kaum kann ich es fassen.  Alle meine Schuld und Sünde, trug er dort für mich auf Golgatha.

Darauf kommt es also an: uns ist alles vergeben! Sollten wir dann nicht von Herzen dankbar sein und auf die kleinen Dinge achten, die uns in den Weg gelegt werden, wo wir Liebe üben können?  Dem Pharisäer wurde deutlich: 1. Ich habe Jesus nicht die Füße gewaschen und getrocknet. 2. Ich bin ihm nicht mit Liebe begegnet.

Das macht mich froh. Jesus verlangt von mir und dir nichts Unmögliches. Nein, er möchte, dass wir ihm folgen, indem wir seine Liebe zu uns an andere weitergeben.

Ich wünsche uns in diesem Wissen viele Begegnungen mit Menschen, denen wir diese Liebe Jesu, die uns alles vergeben hat, weitergeben können, dass auch sie fröhlich ihre Straße ziehen können.

Klaus Weniger (Mitglied im Arbeitskreis Ältere Generationen)