1. Februar 2024 | Monatsimpuls

Wenn der Sturm tobt… 02/24

1. Februar 2024

Wir leben gerade in stürmischen Zeiten. Weltpolitische Krisenlage, gesellschaftliche Spaltung, hitzige Debatten um Haushalt, Klima, Migration, Kirchenaustritte und Missbrauch.  Ich könnte die Liste noch weiterführen und beim Lesen wird dem einen oder der anderen schon ganz mulmig. Es erschleicht einen das Gefühl als würde eine depressive Stimmung unser Land und manche Gespräche überschatten.

Und wie gehen wir als Christen damit um? Stimmen wir in das Lied der Klage und Kritik mit ein? Oder sind wir schon so „Erdenfern“, dass wir nur den Himmel sehen? Dieser Gedanke stammt aus dem Buch: So heavenly minded – no earthly good (frei übersetzt: so himmelwärts gewandt – nicht gut für die Erde). Es ging darum, dass viele Christen sich so auf den Himmel fokussieren, dass sie gar nicht wirklich im Hier leben und auch das Leben, dass Gott für uns auf Erden hat, nicht genießen können.

Und nun: Wie gehen wir mit den Stürmen um?

Jesus erzählt am Ende von Matthäus 7 ein Gleichnis. In den Versen 24-27 lesen wir: „Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“

Oftmals richten wir unseren Blick auf das Haus und die Fundamentfrage. Und das ist gut und richtig. Aber es gibt noch was ganz Entscheidendes in diesem Gleichnis. Beide Häuser – egal auf welchem Fundament sie stehen, erleben einen Sturm. Sein Lebenshaus auf Christus zu bauen, bedeutet nicht, dass Christen keinen Sturm erleben. Sie erleben den Sturm nur anders – in einem festen Haus. Und die Frage stellt sich, in welcher politischen Lage befanden sich die Zuhörerenden damals? War es nicht ähnlich wie heute: Politische Krisenlage (Römische Besatzung), gesellschaftliche Spaltung, religiöse Fragen und Spaltungen u.v.m. Die Welt und das Leben waren auch nicht einfacher oder schöner.

Was bedeutet dies für mich heute? In diesem festen Haus zu sein, heißt meinen Halt bei Jesus zu wissen. Mein Halt bei Jesus beinhaltet einen inneren Frieden, der mehr ist als die Abwesenheit von Krisen, Kriegen und Stürmen. Dieser innere Frieden schenkt Hoffnung und Zuversicht. Zuversicht in diesen stürmischen Zeiten geborgen zu sein und die Gegenwart mit Jesus Hilfe zu leben. Das heißt auch, meine Sorgen und Ängste mit Jesus zu besprechen und abzugeben. Und hoffnungsvoll in den Tag zu gehen, nicht weil alles gut wird, sondern weil Jesus das Heil ist. Ist das einfach? Auf keinen Fall, aber Jesus ist an meiner Seite und er weiß um jeden Augenblick.

Wenn der Sturm tobt…will ich mich an ein Gedicht von Herbert Sack erinnern, dass in Stalingrad im Jahr 1943 niedergeschrieben wurde:

Erscheinen meines Gottes Wege
mir seltsam rätselhaft und schwer
und gehn die Wünsche, die ich hege,
still unter in der Sorgen Meer,
will traurig schwer der Tag verrinnen,
der mir nur Schmerz und Qual gebracht,
dann will ich mich auf eins besinnen,
daß Gott nie einen Fehler macht.

Wenn mir zu hoch des Herrn Gedanken,
zu tief der Brunnen seiner Huld,
wenn alle Stützen haltlos wanken,
die Kraft mir fehlt und die Geduld,
wenn gar mein Blick kein Ziel mehr findet
bei banger tränenreicher Wacht,
ein Glaubensfünklein dennoch kündet,
daß Gotte nie einen Fehler macht.

Wenn über ungelösten Fragen
mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen,
weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen
in Gottes Hände legen sacht
und dieses sprechen unter Tränen,
daß Gott nie einen Fehler macht.

Drum still mein Herz und laß vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen,
daß gut die Wege, die er weist.
Und müßtest du dein Liebstes missen,
ja gings durch kalte finstre Nacht,
halt fest an diesem selgen Wissen,
daß Gott nie einen Fehler macht.

Daniela Knauz (Leiterin Referat Ältere Generationen)